Die Rassestandards

Die Rassestandards2016-12-18T15:11:00+00:00

Die Rassestandards

Als erstes behandeln wir hier die Grundprinzipien des Wettbewerbs innerhalb einer Rasse. Jede Hunderasse brauchte vor ihrer Anerkennung durch die nationale Hundezuchtorganisation einen Rassestandard, in dem das Bild eines perfekten Hundes aufgezeichnet ist. In jedem Rassestandard werden die anatomischen wie charakterlichen An­forderungen an die Rasse detailliert dargestellt. Dabei sind die Erläuterungen jeder einzelnen An­forderung an ein perfektes Tier bei allen Rassen auf die Leistung und Aufgaben abgestimmt, wie sie von Anfang an gefordert wurden, weniger auf vorübergehende Modetrends. Die einzelnen Ras­sestandards erhält man von den nationalen Hun­dezuchtorganisationen, sie wurden in der Regel in den Büchern über Einzelrassen wörtlich übernom­men.

Im Grundsatz ist der Rassestandard auf die Einzelbeschreibung folgender Merkmale abge­stimmt: Allgemeine Erscheinung, charakteristi­sche Merkmale, Wesen, Kopf und Schädel, Augen, Ohren, Fang, Hals, Vorderhand, Körper, Hinterhand, Pfoten, Rute, Bewegung/Gangwerk, Haar, Farbe, Größe und Fehler. In jüngeren Jahren wurde aus englischen Rassestandards die Aufzäh­lung von Einzelfehlern herausgenommen, in eini­gen europäischen und amerikanischen Standards findet man immer noch eine Auflistung von dis­qualifizierenden Fehlern.

Über die Jahre wurden die Rassestandards überarbeitet, einander im Aufbau angeglichen oder einfach abgeändert, weil die internationalen Hundezuchtorganisationen versuchten, eine ge­wisse Einheitlichkeit zu erreichen. Auch in Ras­sezuchtvereinen, die ja meist von den Züchtern bestimmt sind, wurden Änderungswünsche erho­ben, entstand zuweilen auch einiger Druck auf modische Änderungen. Die Vereinheitlichung auch der Sprache in den Standards hat gewisse Veränderungen gebracht.

Coonhound Best in Show 1960

Anne Rogers Clark war die Vorführerin von Ch. Karlena!s Musical Rattler, dem Coonhound, der auf der Westminster Show am 8. und 9. Februar 1960 in New York Best of Breed wurde.

Für den Hunderichter ist der Rassestandard das wichtigste Werkzeug. Ein Richter braucht ein gu­tes Auge für Qualität und Ausgewogenheit, eben­so wichtig ist Integrität und Charakterstärke. Hin­zu tritt der Rassestandard, und damit hat er die Grundlage für alle Plazierungen der ihm vorge­stellten Hunde. Glücklicherweise für die Hunde­aussteller erlauben die Rassestandards dem Rich­ter eine gewisse Freiheit der persönlichen Inter­pretation. Früher waren viele Originalstandards in der Art aufgebaut, daß zu einzelnen Merkmalen des Hundes ein bestimmter Prozentsatz einer Ge­samtpunktzahl von 100 zugeschrieben wurde, was sich als viel zu formal erwies. Die heutige Form der Rassestandards ist hier sehr viel weniger starr, ermutigt den Richter, den ganzen Hund zu bewer­ten, ihn weniger in seine Einzelteile aufzuglie­dern.

Natürlich sind alle Rassestandards darum be­müht, ein Wortbild der Perfektion jeder Hunderas­se aufzustellen. Leider ist dies alles sehr formell, insbesondere in den modernen, einheitlicheren Versionen. Einige Originalstandards erschienen häufig in ihrer Sprache recht blumig, dabei darf man aber nicht übersehen, daß bestimmte Aus­drücke gerade deshalb gewählt wurden, um die Nuancen sehr genau zu beschreiben. Beispielswei­se wurden die Anforderungen an den Kopf eines Pekingesen von »groß« in »massiv« abgewandelt, dabei wurde aber das Gefühl für wirkliche Größe verloren. Da die neu formulierten Rassestandards von Generation zu Generation weitergereicht wer­den, besteht durchaus die Gefahr, daß wichtige Rassemerkmale auf diesem Wege verlorengehen.

DAS RICHTEN DES AMERICAN COCKER SPANIEL

Der Standard des American Cocker Spaniel ist ausgerichtet auf seine Arbeitsfähigkeit bei der Jagd. Einen ersten Eindruck gewinnt man von dem im Profil stehenden Hund, dabei werden Typ, Größe, Proportionen und Ausgewogenheit festgestellt. Danach betrachtet man das Profil in der Bewegung. Am schwierigsten ist immer, einen Hund mit kurzem Körper zu züchten, der sich dennoch flüssig bewegt.

Alle Einzelmerkmale des Hundes müssen mit dem Rassestandard verglichen werden. Eine Prü­fung des Hundes auf dem Tisch kann nützlich sein, weil man dabei die Einzelheiten des anato­mischen Aufbaus noch besser feststellen kann.

Wieder auf dem Boden zurück wird der Be­wegungsablauf des Cockers beim Kommen wie Gehen genau festgestellt. Der Hund muß sich dabei aufrecht bewegen, kurzer Rücken mit gutem Vortritt und Schub, in gerader Linie muß der Bo­den mühelos überwunden werden. Im Idealfall wird der Cocker im schnellen Trab (kein Ga­lopp) an ziemlich loser Leine vorgestellt.

Das rassetypische Tier ist immer frei von al­len Übertreibungen. Richten ist immer ein Ver­gleich gegenüber dem Standard, muß jeden Feh­ler jedes Wettbewerbers erfassen. Der im Ring vorgestellte Cocker, so aufgebaut, daß er bei der Jagd erstklassige Arbeit leistet, auch im Wesen auf seine Arbeit ausgerichtet ist, wird dann auf den ersten Plätzen stehen, wenn sein Kopf, Haar­kleid, Farbe und Größe in die vorgeschriebenen Limits paßt. Der Cocker muß immer die Fähig­keit und auch den Willen haben, seine jagdlichen Aufgaben zu erfüllen.

American Cocker Spaniel

Die Auswahl des Siegers

Der Nachteil schriftlich niedergelegter Rassestan­dards liegt darin, daß sie keinen Hinweis enthalten über das in Worten schwer zu Fassende, was jeder Richter bei seinen Spitzengewinnern erwartet -Charisma, Spitzenqualität, Präsenz! Wenn es ein Hund hat, wird es auch erkannt, dies ist das, was einen Spitzenhund ausmacht. Es scheint, sie haben eine Art Aura. Für den seine Aufgabe ernstneh­menden Richter ist das Finden, ja auch das Sehen,

genau eines solchen Hundes eines der vollkom­mensten Vergnügen.

Zitieren wir Andrew Brace:» Die Erinnerung an einen wirklich herausragenden Hund verblaßt nie, und Hunde, ausgestattet mit dem Fluidum des Superhundes, gibt es nur sehr wenige. Der erste Hund, der auf mich einen solchen Eindruck machte, war der Bull Terrier Ch. Abraxas Audacity, er wurde auf Cruft’s 1972 Best in Show. Ich weiß noch genau, wie er den »Großen Ring« betrat, als wäre es gestern gewesen. Ein strahlendes weißes Tier, mit einer wirklich perfekt erscheinenden Muskulatur, bei dennoch absolut wie gemeißelt wirkenden äußeren Linien. Er trat auf den roten Teppich, schüttelte sich ein- oder zweimal, schaute seiner Nase enlang und stolzierte durch die ganze Länge der riesigen Arena mit wedelnder Rute, in seinen Augen erkannte man eine Spur von Mutwillen. Er war die genaue Verkörperung dieser großartigen Hunderasse, er bestach durch seine Kondition, jeder einzelne Schritt spiegelte seine große Persönlichkeit. Es war bestimmt keine Überraschung, als er schließlich auf dem großartigen ersten Platz stand!

Von den ganz großen Hunden, die ich je richten durfte, hat mich keiner mehr beeindruckt, als der großartige Lhasa Apso Ch. Saxonsprings Fres-no. Diese Hündin bestätigte wirklich den stolzen Satz, daß sie bereits zu ihren Lebzeiten eine Legende wurde. Ich hatte das Vergnügen, diese Hündin auf einer kleinen Ausstellung in Sheffield zu richten, damals war sie noch ein wenig mit ihrem Führer zusammenarbeitender Teenager. Aber vom ersten Augenblick an hatte sie den richtigen Blick, man erkannte sofort, daß sie etwas ganz besonderes war. Und als ich sie auf dem Tisch hatte, war es eine reine Freunde, sie abzutasten, einen perfekten Körper, bei dem alles paßte und ineinander überging. Trotz ihrer Eigenwilligkeit an diesem Tag machte ich sie zur Best in Show. Und nachdem sie bereits alle Rekorde gebrochen hatte, war es mir ein ganz besonderes Vergnügen, das Chal-lenge Certificate und Best of Breed auf der Ausstellung zu überreichen, auf der sie sich endgültig vom Ausstellungsgeschehen zurückzog.

Vorstellung Beagel

Einige Richter kombinieren ihre Aktivitäten, stel­len auch selbst auf Ausstellungen Hunde vor. Trotz all seiner Richterverpflichtungen führte An­drew Brace seinen Beagle Ch. Dialynne Toliver of Tragband in der Ausstellungssaison 1995 zum Championat.

Die Aufregung kann man fühlen, wirklich – und Du erinnerst Dich genau daran, wenn Du auf den nächsten ganz großen Hund triffst. Mein erstes richtiges Erlebnis hatte ich noch ehe ich Richterin war, als Berufshundeführerin im Ring stand. Einer meiner Kunden, der große Pudelliebhaber Cla-rence Dillon war nach England gefahren, kaufte von einem berühmten Zwinger eine sehr versprechende schwarze Zwergpudelhündin. Er brachte sie nach den Vereinigten Staaten zurück. Da er zu dieser Zeit aber keinen regelmäßigen Vorführer hatte, saß diese Hündin über mehrere Monate in einem hübschen Zwinger, während er sich alle Vorführer ansah, die für sie in Frage kamen. Zu dieser Zeit war ich noch recht jung, aber in meinem Beruf schon weit vorangekommen, so war ich sehr erfreut, als ich gebeten wurde, mir seine Hunde anzusehen. Die Hündin war buchstäblich mit Haar zugewachsen, sah aber sehr versprechend aus. So nahm ich sie nach Hause, um sie näher kennenzulernen. Nach mehreren Tagen des Badens, Bürstens, Scherens und Formens war sie die allerschönste junge Zwergpudelhündin, die je jemand – einschließlich mir selbst – zu Gesicht kam. Und sie stand vor ganz großen Erfolgen. Im Jahre 1959 gewannen wir gemeinsam die Westminster Show, noch heute lebt ihr Blut in all ihren Nachkommen weiter. Hierzu gehört auch die Siegerin der Non Sporting Group 1995 auf Westminster, die Hündin Dunwalke’s Ch. Fontclair Festoon.

Es gab noch sehr viel interessante Erlebnisse, dabei bereitete es immer neue Freude zu beobachten, wie Hunde ihr Schicksal im Ausstellungsring und als Zuchttiere krönten. Dies ist etwas, was einen an einem dunklen, verregneten Morgen munter aus dem Bett bringt, wenn man danach den ganzen Tag draußen im Freien unter bei weitem nicht gerade perfekten Konditionen richten muß. Der nächste Hund im Ring kann genau der sein, nach dem man immer Ausschau gehalten hat.« Völlig unabhängig, wie man einen Rassestandard liest, jedes Wort studiert, die Fähigkeit, echte Größe zu erkennen, ist eine Frage des Instinkts, wenn Du es so willst eine Gabe, die bei weitem nicht jedem geschenkt wurde.

Zu den Nachteilen schriftlich niederlegter Rasse­standards gehört die Schwierigkeit, ganz bestimm­te, kaum in Worten zu fassende Qualitäten festzu­legen, die jeder Richter gerade bei den Spitzenge­winnern sieht. Dieses Foto scheint das Charisma -die Starqualität – gerade des Fox Terriers auf der rechten Seite eingefangen zu haben.

Foxterier Bewertung

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